Das Internet vergisst nie

In den sozialen Medien geben Menschen manchmal ein schlechtes Bild von sich ab. Kann das Jugendlichen bei der Lehrstellensuche zum Verhängnis werden? Ausbildungsverantwortliche empfehlen auf jeden Fall Zurückhaltung im Cyberspace.

Ein Selfie am Strand, ein Video von der Party oder ein Kommentar zur Weltlage: TikTok, Instagram, Snapchat, Facebook und Co gehören zum Alltag. Meistens richten sich die Botschaften an den Freundeskreis. Dabei geht vergessen, dass auch Fremde mitlesen. So kann eine unanständige Äusserung oder ein peinliches Foto auch zum Lehrer oder zur Chefin gelangen.

Kein systematischer Check

Müssen Jugendliche also aufpassen, was sie auf TikTok posten? Ein schlechter Auftritt könnte ihnen ja zum Vorwurf gemacht werden, wenn sie sich später für eine Lehrstelle bewerben. Severin Küpfer, Ausbildungsleiter ICT-Berufe bei der Schweizerischen Post, räumt ein: «Dinge wie Gewaltverherrlichung, Vandalismus oder negative Äusserungen zum Beruf oder zur Firma wären problematisch und könnte unsere Wahl beeinflussen.» Er hält aber fest: «Es gibt bei uns keine systematische Überprüfung von Social-Media-Auftritten bei Bewerbungen für Lehrstellen.»

Das ist auch bei einem anderen grossen Ausbildungsbetrieb so, der Migros Aare. Der Leiter Development & Talents Bernd Schauer bestätigt: «Nein, wir checken Jugendliche bei der Lehrstellenbewerbung nicht, da ihre Auftritte in den sozialen Medien in der Regel keinen Bezug zum Arbeitsplatz haben.» Für ihn stehen Vorstellungsgespräche und Probearbeiten im Zentrum, um Jugendliche «so authentisch wie möglich kennenzulernen». Teamfähigkeit, Arbeitsmotivation und für die Arbeit wichtige Fähigkeiten könne man kaum via soziale Medien beurteilen.

Negatives spricht sich herum

Bernd Schauer und Severin Küpfer mahnen dennoch zur Vorsicht: «Das Internet vergisst nie.» Strikte Privatsphäre-Einstellungen und das Löschen von Einträgen verhinderten nicht, dass Inhalte für immer im Cyberspace herumschwirren. Die Migros rät deshalb ihren jungen Mitarbeitenden, sich im Web professionell zu verhalten, andere zu respektieren und sich nicht in hitzige Debatten einzulassen. Die Post sensibilisiert ihre Lernenden dafür, welche Wirkung ihr Auftritt auf sozialen Plattformen haben kann. «Die Welt ist klein», sagt Severin Küpfer. «Es spricht sich herum, wenn jemand negativ auffällt.» Auch er sei schon auf problematisches Verhalten von Stellenbewerber:innen hingewiesen worden. «In solchen Fällen klären wir das im direkten Gespräch.

Social Media nutzen

Was jemand im virtuellen Raum privat treibt, geht Arbeitgeber im Prinzip nichts an – solange es dem Unternehmen nicht schadet und keine Gesetze verletzt. Severin Küpfer erinnert aber daran, dass man soziale Plattformen bei der Lehrstellensuche auch zu seinem Vorteil nutzen könne: «Man kann seine Fähigkeiten, Hobbys und soziales Engagement auf diese Weise dokumentieren und im Bewerbungsschreiben darauf aufmerksam machen.»

Text: Mike Sommer

BAM.LIVE
5. - 9. September 2024

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