Mein Weg ist nicht gerade – und genau richtig so

Interview mit Jeanne

Jeanne hatte einen klaren Plan: Gymnasium, Biologie-Studium. Heute steht sie kurz vor dem Bachelor in Multimedia Production. Dazwischen liegt ein Bruch und ein Umweg, der alles verändert hat.

Wie sah dein ursprünglicher Plan aus?

Ich wollte ins Gymnasium und danach Biologie studieren. Das war mein Lieblingsfach, und für mich fühlte sich das

einfach logisch an.

Warum genau dieser Weg?

Ich war gut in der Schule, kam in die Sek P, dann weiter Richtung Gymnasium. Mein Bruder war schon dort – er war mein Vorbild. Ich habe damals nicht wirklich hinterfragt, ob das mein Weg ist. Es hat sich einfach richtig angefühlt, weil es «der normale nächste Schritt» war.

Wann hast du gemerkt, dass es nicht mehr funktioniert?

Im Gymnasium. Ich sass im Unterricht und bin einfach nicht mehr mitgekommen. Ich habe gelernt, aber die Noten wurden schlecht und das kannte ich nicht. Vorher hat Lernen funktioniert. Plötzlich nicht mehr. Und ich habe nicht verstanden, warum.

Wie war es, zweimal nicht zu bestehen?

Sehr hart. Ich hatte keinen Plan B. Kein Gefühl dafür, was ich sonst machen könnte. Nur dieses schlechte Zeugnis und das Gefühl, dass etwas nicht stimmt.

Wie bist du mit dem Druck umgegangen?

Gar nicht gut. Der grösste Druck kam von mir selbst. Ich habe mich ständig verglichen, auch wenn niemand das von mir verlangt hat. Ich wollte einfach verstehen, warum es bei anderen funktioniert und bei mir nicht. Vor dem Gestaltungsjahr bin ich für zwei Monate nach England gegangen. Einfach weg. Abstand bekommen. Das hat vieles verändert. Nicht sofort alles gelöst – aber Luft geschaffen.

Wie kam das Gestaltungsjahr ins Spiel?

Ich habe schon immer gerne gezeichnet. Eine Freundin hat mir das dann vorgeschlagen. Ich hatte sogar eine KV-Lehrstelle – aber ich habe mich dagegen entschieden.

Was hat sich dort verändert?

Sehr viel. Wir haben gezeichnet, gemalt und mit Ton gearbeitet. Und plötzlich war da wieder etwas, das ich kannte: dieses Gefühl von Ich kann etwas. Ich habe wieder Freude gespürt. Und ich habe angefangen zu merken, dass Gestaltung etwas sein könnte, das wirklich zu mir passt. Bei den Besuchen der Grafikfachklassen in Biel, Basel und Luzern hat es Klick gemacht. Ich stand dort und dachte: Das will ich auch machen. Also habe ich die Aufnahmeprüfungen absolviert. Und plötzlich ging es wieder vorwärts: Annahme in Biel und Basel. Ich habe mich für Biel entschieden – einfach wegen des kürzeren Wegs. Im Praktikum in Zürich habe ich zum ersten Mal gesehen, wie meine Arbeit gedruckt wird. Eine Seite, die ich gestaltet habe – in einem echten Magazin. Ich weiss noch genau, wie ich das Heft in der Hand hielt. Ich war einfach nur stolz. Dieses Heft habe ich bis heute aufgehoben.

Warum hast du weitergemacht? Studium, Master?

Ich wollte mehr in den digitalen Bereich – Film, Fotografie, Webdesign. Und jetzt stehe ich kurz vor meinem Bachelorabschluss und vor dem Masterbeginn. Manchmal fühlt sich das noch unreal an. Vor zehn Jahren hätte ich das nie gedacht. Ohne diesen Umweg wäre ich heute nicht hier. Und wahrscheinlich auch nicht so glücklich.

Was hast du aus deiner Geschichte gelernt?

Dass der erste Weg nicht der richtige sein muss. Und dass das kein Fehler ist. Ich bin ehrgeiziger geworden. Ich weiss heute besser, was ich will und was nicht.

Was würdest du deinem jüngeren Ich sagen?

Dass sie nicht allein ist. Dass da Menschen sind, die helfen wollen – auch wenn man das in dem Moment nicht sieht. Und auch wenn dein Weg vielleicht komplizierter ist als der von Anderen, ist das überhaupt nicht schlimm.

Was ist heute der «richtige Weg» für dich?

Für mich bedeutet ein richtiger Weg, dass er Spass macht und sich gut anfühlt.

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2. - 6. September 2026

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